Eine Familientherapie ist eine systematische Therapie, deren Fokus (im Gegensatz zur Einzeltherapie) auf dem familiären System liegt. Zugrunde liegt die Annahme, dass bei einer Erkrankung nicht nur das eine Familienmitglied betroffen ist, sondern das gesamte familiäre System leidet und bei der Entstehung und Aufrechterhaltung involviert ist. Bei der Familientherapie werden deshalb alle Mitglieder der Familie gleichberechtigt einbezogen.
Familientherapie
Vorteile
Die Familientherapie ermöglicht eine systemische Sicht auf Probleme. Personen werden in ihrem Umfeld betrachtet, die Therapie fokussiert auf Interventionen im familiären System und nicht auf dem Individuum.
Formen
In der Familientherapie unterscheidet man zwischen der verhaltenstherapeutischen und psychoadynamischen Familientherapie.
Dauer
In der Regel erfolgt eine Familientherapie im Rahmen von mehreren Sitzungen, welche auch in größeren Zeitabständen stattfinden können.
Krankenkasse
Wenn die Familientherapie als psychotherapeutische Maßnahme eingesetzt wird, können die Kosten von der Krankenkasse erstattet werden.
Ablauf des Familientherapie
Meist sind es die psychischen Auffälligkeit eines einzelnen, die zu einer familientherapeutischen Intervention führen. Im Rahmen der Familientherapie werden dann jedoch alle Familienmitglieder miteinbezogen, es handelt sich somit um einen systemischen Ansatz. Familientherapien sind dann schwierig, wenn sich einzelne mit dem Argument der Behandlung verwehren, sie hätten ja „kein Problem“. Dabei ist aktive Mitwirkung aller Beteiligten und die Bereitschaft, sich auch mit eigenen Anteilen kritisch auseinanderzusetzen, von entscheidender Bedeutung. Der Therapeut unterstützt die Familienmitglieder, eigene Anteile, alternative Sichtweisen oder Empfinden der anderen besser nachzuvollziehen. Die Sitzungen erfolgen im Beisein aller Beteiligten.
Ziele der Familientherapie
Durch die systemische Sichtweise wird vermieden, die Schuld für ein Problem einem einzelnen zuzuweisen. Die Störung wird immer durch die wechselseitigen Einflüsse zwischen den Familienmitgliedern erklärt. Insbesondere krankheitsaufrechterhaltende Systeme sollen somit aufgedeckt und verändert werden. Hierbei ist das Ziel, neue Sichtweisen zu schaffen und auch Veränderungen hinsichtlich der Konfliktlösung zu schaffen. Die Familienmitglieder sollen dabei auch ein Verständnis füreinander aufbringen können und die jeweilige Perspektive verstehen lernen.
Übergeordnetes Ziel ist es, die Kommunikation innerhalb der Familie zu verbessern und dabei eine positive Wirkung auf die Beziehungen untereinander zu schaffen. Konflikte und Probleme einzelner können dann durch Veränderungen im System einfacher und nachhaltiger angegangen werden.
Häufig gestellte Fragen
Wie bei jeder anderen Psychotherapie wird auch die Familientherapie von einem Arzt verordnet. Nicht jede Familientherapie ist jedoch erstattungsfähig.
Die Dauer einer Familientherapie hängt maßgelich vom Umfang der benötigten Hilfe in der Familie ab. In der Regel wird die Therapie als Kurzzeittherapie angesetzt und streckt sich dementsprechend nur über wenige Sitzungen. Bei komplexer Problematik kann sich die Therapie jedoch auch über längere Zeiträume erstrecken.
Familientherapien können nur im expliziten Einverständnis aller Beteiligten erfolgen. Niemand sollte für eine Familientherapie unter Druck gesetzt werden. Die Familientherapie darf nicht genutzt werden, um „einen Schuldigen“ zu finden. Bei Traumata mit Opfern und Tätern in der Familie muss abgewogen werden, ob eine Familientherapie möglich ist.